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Als Kant 1781
die „Kritik
der reinen Vernunft“
veröffentlichte,
war damit die
„Kopernikanische Wende“
in der Philosophie
vollzogen.
Denn vor jeder
Ontologie
erörterte
Kant darin,
wie eine solche
als Wissenschaft
überhaupt möglich ist.
Die dazu erforderliche
kritische Methode
deduziert die
allgemeinen
Bedingungen, die
jeder Verstandeshandlung,
jeder Erkenntnis
und jeder
Wahrnehmung im Voraus,
a priori, zugrunde
liegen und sie
dadurch bestimmen.
Die „Kritik
der reinen Vernunft“
legt diese Bedingungen
in zwei Abschnitten
dar, der „transzendentalen
Ästhetik“, in der
die Anschauungen
von Zeit und Raum
behandelt werden,
und der ersten
Abteilung der
„transzendentalen Logik“
(der Analytik der
Begriffe und
Grundsätze a priori).
In der zweiten
Abteilung, der
„transzendentalen Dialektik“,
werden die Schlüsse
der Vernunft erörtert.
Die „Transzendentale
Ästhetik“ stellt
die Anschauung
als den von Kant
so genannten „inneren
und äußeren Sinn“
(intuitione pura)
vor, nicht mit der
Empfindung (sensatio)
zu verwechseln.[16]
In einer Formulierung
des neokantianischen
Philosophen Ernst Cassirer
ist es die Möglichkeit,
sich „das eine neben
dem anderen oder
das eine nach
dem anderen“
denken und vorstellen
zu können.[17]
Die reine Anschauung
des Raumes ohne
jede Sinnlichkeit findet
ihren Ausdruck in der
Geometrie, die der
Zeit in der
Arithmetik (da Zahlen
nur durch die Sukzession
möglich sind).
Beide sind aber auch die
Bedingungen jeder
Erfahrung. Es muss
daher nicht – wie
im Wolffianismus –
zwischen einem
idealen Raum der
Mathematik und einem
realen Raum der
physischen Wechselwirkung
unterschieden werden.
Alle Empfindungen sind
nur unter den
Bedingungen der räumlichen
oder zeitlichen
Anschauung möglich.
In der transzendentalen
Analytik deduziert Kant,
dass sinnliche Erkenntnis
durch reine Begriffe
(a priori), die
Kategorien, erzeugt wird.
[18] Nur durch sie
können Empfindungen
(a posteriori)
als Gegenstände der
Erfahrung begriffen
werden.
Durch Anwendung
der Kategorien auf
Raum und Zeit entstehen
synthetische Urteile
a priori, die Grundsätze
des Verstandes
(zweites Buch der
Analytik), die
gleichermaßen allgemeine
Bedingungen für
erfahrbare Objekte
darstellen, wie z. B.,
dass alle Anschauungen
extensive Größen sind.
[19] Damit ist die
erste Möglichkeit einer
reinen Naturwissenschaft
gegeben.
In einem seit
Erscheinen der
„Kritik“ und bis
heute sehr umstrittenen
Kapitel stellt Kant
dann das rein Denkbare,
das aber nie etwas
Erkennbares sein wird,
als „Grenzbegriff“,
in philosophischer
Terminologie also als
„problematischen Begriff“
vor, da so genannte
Noumena, heute zumeist
nur im Singular genannt,
was Missverständnisse
fördert, wenigstens
denkmöglich seien.[20]
In dem Versuch der
menschlichen Vernunft,
das Unbedingte zu
erkennen und die sinnliche
Erkenntnis zu übersteigen,
verwickelt sie sich
in Widersprüche,
da die „transzendentalen Ideen“
durch die Bedingungen a priori
selbst unvermeidlich sind,
nämlich die Idee der Seele,
die Idee des kausalen Weltganzen
und die Idee Gottes.
So widerlegt Kant in der
„transzendentalen Dialektik“
die Möglichkeit eines ontologischen
Beweises dafür – wie
auch für das cogito ergo sum
des Descartes, das als eine
Tautologie entschlüsselt wird -,
gesteht den transzendentalen
Ideen aber eine regulative
Funktion zu.[21]
Das Buch wurde 1827 wegen
der Widerlegungen der
Gottesbeweise vom Vatikan
auf das Verzeichnis
verbotener Bücher gesetzt.
Da jede Wirkung aber
auch eine Ursache
aus Freiheit haben
kann, nämlich den freien
Entschluss, eine solche zu
bewirken, der selbst nicht
Naturgesetzen unterworfen
ist, kann im Regress
der zurückgehenden
Reihe der Ursachen
(des Universums),
als erste und notwendig
unbedingte Ursache
(denn wäre sie bedingt,
so hätte die Bedingung
wieder eine Ursache
etc.) die Freiheit
eines Willens als
möglich gesetzt
werden.
Die „Transzendentale Ästhetik“
und die beiden Abteilungen
der „transzendentalen Logik“
bilden gemeinsam
die „Elementarlehre“,
der die „transzendentale
Methodenlehre“ folgt,
in der Kant z. B.
den transzendentalen
Beweis,
die Deduktion,
vom induktiven unterscheidet.